23.09.2021 | Druckansicht
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Walkthrough-Verfahren

Bei Walkthrough-Verfahren handelt es sich um expertenorientierte bzw. analytische Evaluationsmethoden, bei denen die Erlernbarkeit eines Produktes im Fokus steht. Sie werden in der Regel bereits in frühen Phasen der Produktentwicklung angewandt. Der Begriff "Walkthrough" leitet sich davon ab, dass bei diesen Methoden zunächst typische Handlungsabläufe festgelegt werden, die im Rahmen der Evaluation untersucht werden sollen. Diese werden dann im Rahmen der Untersuchung Schritt für Schritt in einer chronologischen Reihenfolge durchgespielt.

Walkthrough-Verfahren existieren in unterschiedlichen Varianten, wobei der Cognitive Walkthrough wohl am verbreitetsten ist. Ein Cognitive Walkthrough gliedert sich in zwei Phasen: In der Vorbereitungsphase werden zunächst möglichst detaillierte Informationen über die potenziellen Nutzer des Systems gesammelt und die zu analysierenden Aufgaben ausgewählt. Jede der gewählten Aufgaben wird ausführlich charakterisiert. Zudem wird die genaue Handlungsabfolge festgelegt, die Voraussetzung für die korrekte Bewältigung der Aufgaben ist. Anschliessend werden im Rahmen der Analysephase dann für jede der erarbeiteten Aufgaben alle Handlungsschritte durch die Experten (Usability-Experten und/oder Designer, Entwickler oder auch Fachexperten) anhand von Papierskizzen, Screenshots oder eines Prototypen durchgespielt.
Als Basis der Diskussion dienen folgende Fragen: 

  • Wird der Nutzer versuchen den richtigen Effekt zu erzielen?
  • Wird der Nutzer merken, dass die passende Funktion verfügbar ist?
  • Wird er diese Funktion mit dem erwünschten Effekt in Verbindung bringen?
  • Wenn er die Funktion ausgeführt hat, glaubt er sich dann seinem Ziel näher?

Beim Pluralistic Usabiliy Walkthrough wird im Team evaluiert, wobei mindestens ein repräsentativ ausgewählter Endbenutzer dabei ist. Zusätzlich gehören zum Team ein Entwickler und ein Usability-Experte. Der Benutzer im Team hat die Aufgabe, das zu evaluierende Produkt aus seiner Perspektive zu bewerten. Die anderen Teilnehmer sind aufgefordert diese Perspektive möglichst genau zu verstehen und nachzuvollziehen. Dabei soll der Entwickler die Kommmentare und Anmerkungen aufnehmen und dann direkt in Gestaltungsoptimierungen umsetzen. Als Anwalt der Benutzer und als Moderator des Pluralistic Walkthroughs fungiert der Usability-Experte.

Beim Jogthrough handelt es sich um eine weniger zeitaufwendige Variante des Cognitive Walkthrough. Das liegt daran, dass der Protokollant durch Videodokumentation und eine spezielle Protokollsoftware entlastet wird. Außerdem wird der vorgegebene Aktionsablauf weniger streng gehandhabt, was Diskussionen während der Evaluation ermöglicht.

Empfohlene Literatur:

  • Mack, R. and Nielsen, J. 1993. Usability inspection methods: report on a workshop held at CHI'92, Monterey, CA, May 3–4, 1992. SIGCHI Bull. 25, 1 (Jan. 1993), 28-33. 
  • Lewis, C., Polson, P. G., Wharton, C., and Rieman, J. 1990. Testing a walkthrough methodology for theory-based design of walk-up-and-use interfaces. In Proceedings of the SIGCHI Conference on Human Factors in Computing Systems.Seattle, United States, April 01 - 05, 1990). J. C. Chew and J. Whiteside, Eds. CHI '90. ACM Press, New York, NY, 235-242.
  • Randolph G. Bias. 1994. The pluralistic usability walkthrough: coordinated empathies. In Usability inspection methods, Jakob Nielsen and Robert L. Mack (Eds.). John Wiley \& Sons, Inc., New York, NY, USA 63-76.
  • Rowley, E. & Rhoades, D.G. (1992). The Cognitive Jogthrough: A Fast-Paced User Interface Evaluation Procedure. Proceedings of the SIGCHI Conference on human factors in computing systems,(Monterey, Cal, May 3-7). ACM, New York, 1992, S. 389-395.