23.09.2021 | Druckansicht
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Usability Test

Im Rahmen eines Usability-Tests bearbeiten Testpersonen mit dem zu untersuchenden Produkt realistische Aufgaben, wobei sie von Usability-Experten beobachtet werden. Auf Basis der Äusserungen der Probanden, Beobachtungen des Testleiters oder auch auf Grund von Messungen (z.B. Zeitdauer für die Aufgabenbearbeitung) können Probleme im Umgang mit dem System erkannt und Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet werden.

Entscheidend für den Nutzen der Untersuchung ist die möglichst repräsentative Auswahl der Testpersonen. Zwar lassen sich bereits mit 4-6 Personen verlässliche  Ergebnisse erzielen, üblicherweise werden aber 8-12 Personen als Probanden herangezogen. 

Usability-Tests können in verschiedenen Varianten und mit unterschiedlichem technischen und finanziellen Aufwand durchgeführt werden. In der Regel erfolgt eine Videoaufzeichnung der Interaktion der Testpersonen mit dem System mit Hilfe einer speziellen Software (z.B. Techsmith Morae), bei der z.B. Mausklicks aufgezeichnet und die Mimik der Probanden per Webcam mitgeschnitten wird. Üblicherweise werden die Nutzer zudem aufgefordert, gleichzeitig ihre Handlungen zu beschreiben (Methode des lauten Denkens), was für die Auswertung von Vorteil ist. Alternativ kann das aufgezeichnete Video (oder Ausschnitte davon) auch nach den Tests mit dem Probanden gemeinsam diskutiert werden (Post-Video-Session/Retrospektives lautes Denken). In der Praxis werden Usability-Tests oft auch mit Interviews, Fragebögen oder einer Eyetracking-Analyse kombiniert.

Ein Usability-Test bedarf einer genauen Planung und Vorbereitung. Dies ist einerseits wichtig, da der Aufwand für den Test so hoch ist, dass er nicht so einfach wiederholt werden kann. Andererseits ist in Bezug auf die Vergleichbarkeit der Ergebnisse des Tests zu gewährleisten, dass der Testablauf bei allen Probanden gleich ist. Pro Person sollte die Testdauer nicht mehr als ca. 1.5 Stunden betragen, da die Qualität der Ergebnisse sonst abnehmen kann. Aus diesem Grund gilt es, vorher gezielt die Funktionen oder Tasks zu fixieren, welche man genauer untersuchen will.

Für die Durchführung solcher Tests ist die Ausarbeitung eines Ablaufplans erforderlich, der entsprechende Testaufgaben und Testszenarios beinhaltet. Weitere Arbeitsschritte umfassen die Rekrutierung von Testteilnehmern, die Durchführung und Videoaufzeichnung der Tests, sowie die Auswertung der Videoaufzeichnungen und Notizen. Zudem Zudem ist ein Raum notwendig in dem die Tests störungsfrei und unter gleichen Bedingungen für alle Testteilnehmer durchgeführt werden können (z.B. ein speziell auf solche Untersuchungen ausgelegtes Usability-Labor)

Trotz des relativ hohen Aufwands stellen Produkttests mit Anwendern nach wie vor das zentrale Element für die Durchführung von umfassenden Usability-Evaluationen dar. Der grosse Vorteil dieser Methode ist dabei, dass sie einen unmittelbaren Einblick in die Interaktion eines Anwenders mit einem Produkt ermöglicht und somit die Bestimmung realer Nutzungsprobleme erlaubt. 

Empfohlene Literatur:

  • Dumas, J. und Redish, J. (1999). A Practical Guide to Usability Testing. Exeter: Intellect Books.
  • Nielsen, J. (1993). Usability Engineering. San Diego: Academic Press.
  • Nielsen, J. (1992) “Evaluating the Thinking-Aloud Technique for Use by Computer Scientists,” in: Advances in Human-Computer Interaction, Vol. 3, H.R. Hartson and D. Hix (Hrsg.), Ablex, Norwood, N.J, S. 75-88.
  • Rubin, J. (1994). Handbook of Usability Testing: how to Plan, Design, and Conduct Effective Tests. John Wiley & Sons, Inc.