17.06.2021 | Druckansicht
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Interviews & Umfragen

Interviews und Umfragen können in verschiedenen Phasen des Produktentwicklungsprozesses eingesetzt werden. Sie eignen sich einerseits in frühen Stadien der Produktentwicklung zur Erstellung von Anforderungsdefinitionen. Andererseits können Befragungen auch genutzt werden, um Einschätzungen von Anwendern bezüglich der Qualität bereits existierender Produkte zu erhalten. Hierbei eignen sich Befragungstechniken vor allem als Ergänzung anderer Untersuchungsmethoden (insbesondere von expertenorientierten Verfahren).

Grundsätzlich kann zwischen mündlichen und schriftlichen Befragungen unterschieden werden. Mündliche Befragungen können dabei in Form von Gruppendiskussionen (Fokusgruppen) oder auch einzeln (Contextual Inquiry) durchgeführt werden.

Bei Fokusgruppen handelt es sich um strukturierte Diskussionen zu vorgegebenen Themen bzw. Fragestellungen, die von einem geschulten Moderator geleitet werden. Ein typisches Fokusgruppen-Interview wird in der Regel mit sechs bis zwölf Teilnehmern durchgeführt und dauert üblicherweise etwa zwei Stunden, wobei die Teilnehmer der Fokusgruppe potentielle Benutzer des zu untersuchenden Produktes sein sollten. Zur späteren Auswertung der Fokusgruppe werden Video- und Audioaufzeichnungen angefertigt, welche entweder selektiv oder vollständig transkribiert werden. Ein derartiges Transkript enthält die Äußerungen der Teilnehmer in chronologischer Reihenfolge, ohne interpretative Anreicherungen.

Contextual Inquiry ist eine strukturierte Feldbefragungs-Methode, die prinzipiell auf herkömmlichen journalistischen Befragungstechniken beruht. Sie dient im Rahmen der Produktentwicklung der Sammlung von Informationen, die für die Anforderungsdefinition genutzt werden können. Hierfür wird eine Mischung aus Interview und Beobachtung verwendet, wobei entscheidend ist, dass die Untersuchung im realen Arbeitsumfeld der Testperson(en) stattfindet.

Demgegenüber läuft eine schriftliche Befragung (z.B. mittels einer Online-Umfrage) strukturierter ab. Diese Form der Befragung eignet sich daher insbesondere wenn quantitative Daten erhoben werden, die statistisch signifikante Aussagen bezüglich der definierten Untersuchungsziele ermöglichen sollen. Generell ist bei Umfragen auf eine ausreichend grosse Teilnehmerzahl zu achten, denn nur auf diese Weise lassen sich repräsentative Ergebnisse gewinnen. Man unterscheidet hierbei zwischen offenen (jeder kann teilnehmen) und geschlossenen Umfragen, bei welchen die Teilnehmer explizit ausgewählt und eingeladen werden. Die Konzeption eines geeigneten Fragebogens ist hierbei besonders wichtig und nicht immer trivial, da auf die Formulierung der Fragen, deren Reihenfolge sowie das Antwortformat geachtet werden muss (vgl. auch Fragebögen).

Empfohlene Literatur:

  • Kontio, J.,  Lehtola, L. und Bragge, J. (2004). Using the Focus Group Method in Software Engineering: Obtaining Practitioner and User Experiences. In Proceedings of the 2004 International Symposium on Empirical Software Engineering (ISESE '04). IEEE Computer Society, Washington, DC, USA, 271-280.
  • Krueger R. A., Casey, M. A.(2008). Focus Groups: A Practical Guide for Applied Research, Sage.
  • Holtzblatt, K., und Jones, S. (1993). Contextual Inquiry: A Participatory Technique for System Design.' in Schuler, D., and Namioka, A. (eds.) Participatory Design: Principles and Practice. Lawrence Earlbaum, Hillsdale, NJ. S. 180-193.
  • Eichhorn W., (2004). Online-Befragung. Methodische Grundlagen, Problemfelder, praktische Durchführung. Zuletzt zugegriffen 16.02.2012: Opens external link in new windowhttp://www2.ifkw.uni-muenchen.de/ps/we/cc/onlinebefragung-rev1.0.pdf