23.09.2021 | Druckansicht
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Heuristische Evaluation

Bei der so genannten Heuristischen Evaluation handelt es sich um das wohl bekannteste Expertenorientierte Evaluationsverfahren. Im Rahmen einer solchen Untersuchung, überprüft eine Reihe von Experten, ob das User Interface eines Produktes konform zu bestimmten anerkannten Prinzipien des Usability-Engineerings ist [Schweibenz & Thissen 2003]. Diese Prinzipien werden als Heuristiken bezeichnet, wobei es sich um Richtlinien für die anwenderfreundliche Gestaltung von Benutzungsschnittstellen handelt, welche von Experten auf Basis der Resultate aus einer Vielzahl von Studien entwickelt worden sind.

Üblicherweise findet eine solche Evaluation in zwei Durchgängen statt. Dabei verschaffen sich die Evaluatoren in einem ersten Durchgang zunächst einen Überblick über das zu untersuchende Produkt, während im zweiten Durchgang dann der Fokus auf spezielle Interaktionselemente gelegt wird. Dabei werden in beiden Fällen die Eigenschaften des Produktes mit den zur Untersuchung herangezogenen Heuristiken verglichen und Verstöße gegen diese Prinzipien protokolliert. Zu beachten ist, dass dabei zunächst jeder Evaluator das Produkt selbstständig untersucht. Erst im Anschluss werden die Ergebnisse der Bewertung im Team konsolidiert.

Als Grundlage für eine Heuristische Evaluation können gemäss Nielsen alle möglichen Prinzipien und Richtlinien der Human-Computer-Interaction herangezogen werden. Die meisten Heuristiken sind nur sehr allgemein formuliert und fordern beispielsweise die Sichtbarkeit des Systemstatus oder die Konsistenz der Benutzeroberfläche respektive des Interaktionsdesigns [Nielsen 1997]. Dementsprechend ist die Usability-Expertise der Evaluatoren ausschlaggebend für die Qualität der Ergebnisse.

Ein großer Vorteil der heuristischen Evaluation ist ihre Einfachheit und ihre schnelle Durchführbarkeit. Bereits mit einer geringen Anzahl von Experten kann innerhalb kurzer Zeit ein Grossteil der potentiellen Usability-Probleme eines Produktes ermittelt werden. Deshalb ist eine Heuristische Evaluation vor allem während früher Stadien der Produktentwicklung (z.B. zur Bewertung von Design-Vorschlägen) zu empfehlen.

Empfohlene Literatur:

  • Heuer, J. (2003). Expertenevaluation. In: Heinsen, S. und Vogt, P. (Hrsg.). Usability praktisch umsetzen, S. 116-135. München: Hanser.
  • Nielsen, J. (1997). Heuristic Evaluation. In: Nielsen, J. und Mack, R. (Hrsg.). Usability Inspection Methods, S. 25-62. New York: Wiley & Sons.
  • Schweibenz, W. und Thissen, F. (2003). Qualität im Web – Benutzerfreundliche Webseiten durch Usability Evaluation. Berlin: Springer.