12.04.2021 | Druckansicht
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Struktur & Navigation

Auf dieser Seite wird als Hilfestellung zur Entwicklung von Bibliothekswebsites beschrieben, welche Aspekte hinsichtlich der Struktur und der Navigationseleemente relevant sind. Ziel dieses Abschnittes ist die sinnvolle und ansprechende Strukturierung und Gestaltung einer Website im Hinblick auf deren Gliederung, die Navigation und den Seitenaufbau.

Grundsätzliches zur Informationsarchitektur

Für die Konzeption einer Webseite sollte unbedingt eine Informationsarchitektur festgelegt werden. Dies beinhaltet nicht nur die Sortierung von Inhalten in passende Gruppen, sondern den gesamten Aufbau der Website anhand der Zielgruppe und deren Bedürfnissen.

Ziel ist es, dem Benutzer eine bestmögliche Orientierung zu bieten. Diese kann durchaus von der für die Institution logisch erscheinenden Ordnung abweichen. Bei grösseren Webseiten sollte darauf geachtet werden, dass eine Information nicht nur über einen vorgegebenen Weg erreicht werden kann, sondern dass auch von anderen passenden Stellen aus Verknüpfungen angeboten werden.

Eine bewährte Methode zur Erstellung einer Informationsarchitektur ist das Card Sorting. Bei diesem Verfahren werden Anwender gebeten, Karten, die mit den vorgesehen Menüpunkten beschriftet sind, in eine für sie sinnvolle logische Struktur zu bringen.

Die Konzeption und Entwicklung bibliothekarischer Online-Angebote sollte wenn möglich immer einem nutzerzentrierten Ansatz folgen - d.h. im Mittelpunkt der Planung stehen die Nutzer und deren Bedürfnisse. Das wichtigste Bedürfnis auf der Webseite eines Informationsdienstleisters oder einer Bibliothek dürfte sein, möglichst einfach und mit geringem Zeitaufwand eine gewünschte Information zu finden. Deshalb ist es wichtig, nicht zu viel zu wollen und sich auf die Kernbereiche und die wesentlichen Funktionalitäten zu konzentrieren, um die Website nicht zu überladen.

  • Achten Sie bei der Gestaltung von Menüs darauf, dass die einzelnen Menüpunkte entweder keine oder mehrere Untergliederungspunkten aufweisen. Menüs mit nur einem Untergliederungspunkt sollten möglichst vermieden werden.
  • Überforderung oder langes Suchen führt bei Nutzern zu Frustrationserlebnissen, weswegen sie möglicherweise nicht mehr auf die betroffene Website zurückgreifen.

Verständlichkeit & Konsistenz

Die Struktur einer Website sollte möglichst einfach gehalten sein und den Bedürfnissen und Erwartungen der Anwender entsprechen. Aus Anwendersicht sind in der Regel flache Hierarchien mit mehr Elementen auf einer Ebene einer tiefen Hierarchie vorzuziehen. Allerdings muss auf jeder Ebene auf eine überschaubare Anzahl von Elementen geachtet werden.

Wichtig ist, dass Anwender schnell eine Vorstellung über den Aufbau der Website gewinnen können. In diesem Kontext ist vor allem die Einordnung der einzelnen Seiten/Bereiche in die Navigationsstruktur von Bedeutung. Kann von Anwendern ein Unterpunkt nicht vernünftig eingeordnet werden, sollte man sich einerseits überlegen, wie wichtig der Unterpunkt ist und ob er ggf. auf einer höheren Navigationsebene platziert werden sollte. Bei einem sehr wichtigen Punkt bietet es sich ggf. auch an, ihn auf der Startseite unabhängig der Hauptnavigation aufzuführen. Andererseits sollte geprüft werden, ob die gewählte Bezeichnung aus Anwendersicht verständlich ist.

Ein weiter wichtiger Faktor für das Zurechtfinden auf einer Website ist deren Konsistenz. Es muss darauf geachtet werden, dass alle Seiten und Unterseiten in der gleichen Art und Weise bedient werden können und dieselben Elemente/Funktionalitäten stets in der gleichen Form dargestellt werden.

Positionierung von Menüs

Entsprechend den gängigen Konventionen im Web sollte die Hauptnavigation eines Webauftritts entweder links oder oben positioniert werden. Anwender sind an diese Struktur gewöhnt und kommen damit am besten zurecht.

Startseite des NEBIS-Verbundes - www.nebis.ch (Klick für vergrösserte Ansicht)

 

Startseite desr Pestalozzi-Bibliothek Zürich - www.pbz.ch (Klick für vergrösserte Ansicht)

Menüstrukturen

Eine Navigation sollte möglichst intuitiv, aussagekräftig und eindeutig sein. In der Regel ist dabei eine flache Hierarchie einer tiefen vorzuziehen, wobei als Faustregel nicht mehr als 3 bis max. 4 Ebenen verwendet werden sollten. Pro Hierarchieebene bzw. für jeden Menüpunkt sollten entsprechend wahrnehmungspsychologischen Erkenntnissen nicht mehr als sieben Auswahlmöglichkeiten verwendet werden. Die Navigation sollte durchgängig konsistent gehalten sein. Bezeichnungen und die Reihenfolge der Menüpunkte sollten daher immer gleich belassen werden.

Von jeder Unterseite aus sollte zudem eine Rückkehr zur Startseite möglich sein. Hierfür eignet sich z.B. die Verlinkung des Logos im Seitenbanner.

Orientierung durch Pfadangaben

Nutzer sollten jederzeit wissen, wo innerhalb eines Webauftritts sie sich gerade befinden. Dies kann bspw. mit Hilfe einer Breadcrumb-Navigation erreicht werden. Mit Hilfe einer Breadcrumb-Navigation können Nutzer zudem auch wieder schnell zu vorgängig besuchten bzw. übergelagerten Seiten zurückkehren.

Beispiel einer Breadcrumb-Navigation - www.cheval-lab.ch (Klick für vergrösserte Ansicht)

Zudem empfiehlt es sich, Hervorhebungen oder Markierungen in den Navigationsmenüs zu verwenden, um den Anwendern ihre Position innerhalb der Website zu illustrieren.

Verknüpfungen/Hyperlinks

Alle auf der Website vorhandenen Hyperlinks müssen unmittelbar als solche erkennbar sein. Hierfür eignen sich klassischerweise Unterstreichungen und die Gestaltung in Form von Buttons. Grafiken werden hingegen in der Regel nicht als Links erkannt, weshalb in diesem Fall ggf. über Beschriftungen auf die Verfügbarkeit eines Links hingewiesen werden muss. Allenfalls können als Hinweis auf Links zusätzlich auch ALT-Tags bzw. Tooltips hilfreich sein.

Bei sämtlichen Verknüpfungen sollte zudem das Ziel bzw. die Funktion (z.B. Download, Mailkontakt) möglichst eindeutig angegeben sein. Hierfür bietet es sich an die unterschiedlichen Arten von Links mit entsprechenden Icons zu kennzeichnen. Diese Vorgehensweise bietet sich auch für die Kennzeichnung von Verweisen auf externe Angebote an.

Bereits besuchte Links sollten in einer anderen Farbe dargestellt werden, so dass für Anwender direkt ersichtlich ist welche Seiten sie bereits besucht haben und wohin sie ggf. noch navigieren können.

Hinsichtlich des Verhaltens von Links sollten seiteninterne Verweise stets im aktuellen Browserfenster/Tab geöffnet werden. Das Öffnen in einem neuen Fenster/Tab ist aus Usability-Gesichtspunkten generell nicht unbedingt zu empfehlen. Diese Vorgehensweise eignet sich lediglich für Verweise auf anderen Dateiformate (z.B. PDF) sowie allenfalls für Links auf externe Angebote.

Beschriftungen von Links und Buttons

Buttons, Links und Symbole müssen eine eindeutige Beschriftung erhalten. Nur dadurch ist die Navigation einer Website auch gut bedienbar. Andernfalls kann die Website zwar logisch aufgebaut sein, aber der Nutzer klickt aufgrund der missverständlichen oder unverständlichen Beschriftung nie auf einen Button, der ihn zum Gesuchten führen würde.

Solche Terminologie-Probleme können am besten durch Tests mit Endanwendern bzw. Befragungen von Aussenstehenden identifiziert werden.

Sitesearch, Index & Glossar

Abgesehen von sehr kleinen Websites sollte Anwendern stets eine seiteninterne Suche zur Verfügung gestellt werden. Die Funktionsweise der Sitesearch sollte sich an der primären Zielgruppe und typischen Informationsbedürfnissen orientieren. Wichtig ist das die Suchresultate angemessen sortiert werden und ausreichend Information beinhalten, um Anwendern eine zielgerichtete Auswahl zu ermöglichen.

Bei bibliothekarischen Online-Angeboten ist die Integration einer Sitesearch häufig problematisch, da hier für Nutzer primär die Suche nach Literatur im Vordergrund steht. Die Literatursuche und die Sitesearch müssen daher klar voneinander abgrenzt werden, um Missverständnissen vorzubeugen.

Daneben kann ein Index ein hilfreiches Mittel für Benutzer sein. Eine solche alphabetische Stichwortliste mit Verweisen zu entsprechenden Unterseiten bietet Anwendern eine zusätzliche Möglichkeit für sie relevante Inhalte schnell und einfach zu finden. Allerdings ist ein Index aufwendig in der Erstellung und im Unterhalt, und daher häufig nur für relativ kleine Seiten umsetzbar.

Sitemap

Um Anwendern aufzuzeigen, wie eine Website organisiert ist, empfiehlt es sich eine Sitemap anzubieten. Auf diese Weise wird Anwendern ebenfalls ein schneller und direkter Zugang zu einzelnen Bereichen bzw. Unterseiten ermöglicht. Die Sitemap sollte möglichst auch die aktuelle Position der Nutzer widergeben (z.B. Sie sind hier).

Sitemaps sollten wenn möglich alle Verzweigungen der Hierarchie anzeigen. Allerdings kann es bei umfangreichen Webauftritten erforderlich sein, aus Platzgründen nur eine bestimmte Anzahl von Hierarchieebenen anzuzeigen.