12.04.2021 | Druckansicht
Deutsch

Funktionalitäten

In diesem Unterbereich sind Hinweise zu den wichtigsten Funktionalitäten, die bibliothekarische Websites in der Regel aufweisen, zusammengefasst. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie entsprechende Features ausgestaltet sein sollten, um Anwendern eine möglichst optimale Aufgabenunterstützung zu bieten.

Suchmaske

Bei bibliothekarischen Online-Angeboten ist die Suche in der Regel von zentraler Bedeutung. Entsprechend sollte der Zugang zur Suche prominent platziert werden. Im Idealfall sollte die einfache Suche daher direkt in die Startseite eingebunden werden. Eine Alternative ist ein klar ersichtlicher Menüpunkt "Suche" im Navigationsmenü. Empfehlenswert ist eine Kombination aus beidem.

Die einfache Suche sollte analog zu Internetsuchmaschinen aus einem einzelnen Suchfeld bestehen. Dieses sollte breit genug sein um mehrere eingegebene Begriffe gleichzeitig anzuzeigen. Der Such-Button ist sinnvollerweise rechts neben dem Suchschlitz zu platzieren und klar zu benennen. Ein Link zur erweiterten Suche sollte entweder unterhalb des Suchschlitzes oder neben diesem eingefügt werden.

Beispiel einer Einfachen Suche - www.swissbib.ch (Klick für vergrösserte Ansicht)

Zusätzlich sollte eine erweiterte Suche mit mehreren Suchfeldern angeboten werden, um Anwendern komplexe Suchanfragen zu ermöglichen. Das erste Suchfeld sollte dabei so voreingestellt sein, das mit diesem analog zur einfachen Suche eine Recherche über alle Metadenfelder hinweg durchgeführt werden kann (z.B. in der Form "Alle Felder").

Wichtig ist, dass für Anwender klar ersichtlich ist auf welche Weise die einzelnen Felder miteinander verknüpft sind (z.B. AND oder OR). Als Standardeinstellung empfiehlt sich die Verwendung des AND-Operators, denn für gewöhnlich geben Anwender lediglich mehrere Suchbegriffe ein wenn sie auch ein spezifischeres Informationsbedürfnis haben. Um Anwendern, die nicht mit Booleschen Operatoren vertraut sind, die Nutzung der erweiterten Suche zu erleichtern empfiehlt es sich Operatoren wie AND oder OR  mit Formulierungen wie bspw. "Allen Wörtern (AND)" oder "Irgendeinem der Wörter (OR)" zu umschreiben.

Beispiel einer Erweiterten Suche - www.swissbib.ch (Klick für vergrösserte Ansicht)

Suchfunktionen

Boolesche Operatoren sollten sowohl bei der einfachen als auch bei der erweiterten Suche genutzt werden können. Im Idealfall sollte das System Boolesche Operatoren sowohl in Gross- und Kleinschreibung als auch in unterschiedlichen Formen erkennen (z.B. AND, UND, and, etc,). Sofern dies nicht möglich ist, muss in der Hilfe die Verwendung der Operatoren anhand von Beispielen erläutert werden.

Das System sollte ausserdem auch exakte Suchen bzw. die Suche nach Phrasen unterstützen. Üblicherweise werden für die Suche nach Phrasen Anführungszeichen verwendet. In diesem Fall dürfen Begriffe wie UND/ODER/NICHT nicht als Boolesche Operatoren interpretiert werden.

Auch eine Trunkierung sollte sowohl bei der einfachen wie auch bei der erweiterten Suche gleichermassen funktionieren. Wenn möglich sollte sowohl die Ersetzung eines einzelnen Zeichens (in der Regel mittels ?) sowie beliebig vieler Zeichen (üblicherweise mit *) unterstützt werden. Die unterstützten Möglichkeiten hinsichtlich der Trunkierung sind in der Hilfe zu erläutern (möglichst mit Beispielen).

Um Anwender möglichst umfassend bei der Erfüllung ihrer Informationsbedürfnisse zu unterstützen sollte neben der Suche auch ein Browsing im Bestand unterstützt werden. Die Ausgestaltung der Browsing-Möglichkeiten muss individuell in Abhängigkeit des Bestandes und der Nutzerziele vorgenommen werden. Sinnvoll können bspw. thematische, chronologische oder auch alphabetische Auflistungen sein. In jedem Fall sollten die Browsing-Möglichkeiten aus Sicht der Endanwender konzipiert werden. Die Übertragung bibliotheksinterner Klassifikationen ist hingegen für Anwender mitunter nicht immer intuitiv.

Beispiel einer alphabetischen Browsing-Funktion - www.e-rara.ch (Klick für vergrösserte Ansicht)

Weitere wichtige Aspekte sind die Robustheit und die Fehlertoleranz der Suche. So darf bspw. die Eingabe von Sonderzeichen in die Suchmasken nicht zu Abstürzen führen. Ausserdem müssen Umlaute korrekt verarbeitet bzw. interpretiert werden (d.h. die Suche nach zürich oder zuerich muss gleich viele Treffer liefern).

In Bezug auf die Fehlertoleranz sollten Tippfehler von Anwendern, die zu einer leeren Treffermenge führen würden, abgefangen werden. Dies bedeutet anstatt eine Trefferliste mit null Treffern anzubieten sollten den Anwendern stattdessen mittels "Meinten Sie...?" alternative Vorschläge unterbreitet werden.

Um Anwender bei der Formulierung ihrer Suchanfragen zu unterstützen ist auch eine Autocomplete-Funktion hilfreich, bei der nach jedem Tastenschlag bzw. auf Basis der bereits eingegeben Zeichen in einer Liste Vorschläge für potentielle Suchterme präsentiert werden.

Trefferliste

Mit Hinblick auf die Darstellung der Suchresultate ist vor allem auf ein gutes Zusammenspiel zwischen Suchfunktionen und Trefferliste zu achten. Die verwendeten Suchbegriffe/-optionen sollten daher stets oberhalb der Trefferliste angezeigt werden. Im Idealfall sollte dabei jederzeit eine Anpassung der durchgeführten Suchanfrage möglich sein.

Beispiel einer Trefferliste mit Sucheditierung und Facetten - www.e-codices.ch (Klick für vergrösserte Ansicht)

Für die Präsentation der Treffer selbst hat sich in den letzten Jahren eine Facettendarstellung etabliert. Dabei werden die eigentlichen Suchresultate in der Seitenmitte angezeigt, während links und/oder rechts Optionen zur weiteren Einschränkung der Suchergebnisse angeboten werden. Auf diese Weise wird Anwendern die Rückkehr zur Suche um weitere Parameter zu verwenden erspart.

Wichtige Facetten sind z.B. der Medientyp, die Sprache des Mediums, der Verfasser sowie bei Metakatalogen auch der Standort eines Mediums.

Beispiel einer Facettenauswahl - www.swissbib.ch (Klick für vergrösserte Ansicht)

Ein weiterer, wichtiger Aspekt in Bezug auf die Trefferliste ist, dass stets angegeben werden sollte, wie viele Treffer eine Suchanfrage ergeben hat. Dies erleichtert Anwendern die Einschätzung, ob ihre Suchanfrage ggf. zu allgemein gehalten war und sie zusätzliche Suchbegriffe verwenden sollten.

Die Navigation innerhalb der Trefferliste kann auf verschiedene Arten gelöst werden. Klassischerweise erfolgt eine Aufteilung der Suchresultate auf mehrere Seiten, zwischen denen Anwender über eine Navigation  blättern kann. Häufig werden als Standard 10 Treffer pro Seite präsentiert. In diesem Kontext kann es sinnvoll sein, Anwendern eine Option anzubieten mit der sie selbst bestimmen können, wie viele Treffer pro Seite dargestellt werden sollen. Die Navigationselemente für den Wechsel zwischen den einzelnen Ergebnisseiten sollten sowohl oberhalb als auch unterhalb der Trefferliste zur Verfügung stehen, um Anwendern unnötiges Scrolling zu ersparen. Sinnvoll sind in diesem Kontext nicht nur Elemente um eine Seite vor- und zurückblättern zu können sondern ggf. auch Elemente die ein vor- und zurückspringen zum Anfang bzw. zum Ende der Trefferliste sowie einenen gezielten Aufruf bestimmter Trefferseiten erlauben.

Neben der Paginierung hat sich in den letzten Jahren auch die Darstellung der Treffer als Endlosliste etabliert. Dabei werden in der Regel weitere Suchergebnisse "nachgeladen" wenn ein Anwender in der Trefferliste nach unten scrollt. Diese Darstellungsmethode eignet sich insbesondere für Systeme/Bestände, bei denen Anwender häufig mit sehr grossen Ergebnismengen konfrontiert werden. 

Unabhängig von der Darstellung bzw. Aufteilung der Trefferliste sollte stets klar erkennbar sein, anhand welcher Kriterien die Trefferliste sortiert wurde. Die meisten Bibliothekssysteme verwenden hierfür heute analog zu Internetsuchmaschinen ein Relevance Ranking, wobei jedoch das Ranking für Anwender nicht immer transparent ist. Daher kann es sinnvoll sein Sortieroptionen anzubieten, mittels derer Anwender die Reihenfolge der Treffer selbst bestimmen können. Idealerweise wird eine solche Option direkt oberhalb der Trefferliste positioniert.

Beispiel einer Trefferliste mit Sortierfunktion - www.swissbib.ch (Klick für vergrösserte Ansicht)

Detailansicht

Die Detailansicht eines Treffers sollte ebenfalls klar und übersichtlich strukturiert sein. In jedem Fall sollte die Detailansicht einen Link zurück zur Trefferliste beinhalten, da die Verwendung der Browser-Funktionen je nach System für diesen Zweck nicht immer zuverlässig funktioniert. Zusätzlich sollte auch eine Möglichkeit angeboten werden direkt die Details der einzelnen Treffer durchzublättern ohne jeweils zur Trefferliste zurückkehren zu müssen. 

Bei der Detailansicht sollten ausserdem weiterführende Funktionalitäten angeboten werden. Ein klassisches Feature ist die Bereitstellung einer Druckfunktion. Daneben haben in den letzten Jahren Exportfunktionen an Bedeutung gewonnen. Einerseits kann dies eine Möglichkeit sein, einen Permalink auf das entsprechende Trefferobjekt aufzurufen, der per Mail an andere Nutzer versendet werden kann. Andererseits kann dies Schnittstellen zu Literaturverwaltungsprogrammen umfassen, um die bibliographischen Angaben eines Treffers direkt weiterverwenden zu können.

Immer wichtiger wird auch der direkt Zugriff auf die elektronischen Volltexte. Dieser kann bspw. über Linkresolver oder die direkte Einbindung bzw. Verlinkung der Dokumente in die Detailansicht (je nach Dokumententyp und den Lizenzrechten) sichergestellt werden.

Hilfe zur Recherche

Generell ist darauf zu achten Hilfeangebote stets gut erkennbar zu positionieren. Wichtig ist dabei vor allem den Anwendern einen situationsbezogenen Einstieg in die Hilfe zu ermöglichen. Neben der Integration in die Seitennavigation bietet es sich daher an, entsprechende Angebote bspw. auch auf der Startseite, beim Einstieg in die Recherche (sowohl bei der einfachen als auch der erweiterten Suche) sowie bei den Trefferlisten zu verlinken. Bezüglich der Kennzeichnung der Hilfeangebote empfiehlt es sich deren Kontextrelevanz zu betonen. Anstelle des unspezifischen Ausdrucks "Hilfe" empfiehlt es sich Formulierungen wie "Tipps zu..." oder "Wie kann ich..." zu verwenden.

Die Suchhilfe selbst sollte klar gegliedert sein und sich an den Arbeitsschritten der Anwender orientieren. Es sollten sowohl deklarative Erläuterungen (was) als auch prozedurale Erklärungen (wie) angeboten werden. Insbesondere sollten die Erläuterungen stets mit praktischen Beispielen untermauert werden. Auch kurze Videoclips (z.B. in Form von Guided Tours) sind zu empfehlen.

Bezüglich den Inhalten der Hilfe sollen bibliothekarisch oder technische Fachausdrücke möglichst vermieden bzw. sofern diese erforderlich sind entsprechend erläutert werden.

Bei umfangreichen Hilfeangeboten bietet sich eine Übersicht an, die den direkten Einstieg in bestimmte Hilfethemen ergmöglicht.

Beispiel einer Suchhilfe - www.e-lib.ch/de/Hilfe (Klick für vergrösserte Ansicht)

Zwecks der Einbindung der Hilfe kann es je nach Art des Angebots von Vorteil sein, dass diese in Form eines modalen Dialgos bzw. eines Overlays aufgerufen wird. Auf diese Weise bleiben bspw. bei Recherchen die bereits vorgenommenen Eingaben erhalten und Anwender können nach dem betrachten der Hilfe direkt mit der Suche fortfahren.

Beispiel für die Einbettung einer Suchhilfe - www.kartenportal.ch (Klick für vergrösserte Ansicht)

Benutzerkonto

Ein wichtiger Aspekt hinsichtlich der Usability von Online-Angeboten ist der Umstand inwiefern diese von Anwendern an deren eigene Präferenzen angepasst werden können.

Zentral für eine solche Personalisierung ist die Möglichkeit entsprechende Einstellungen über ein Benutzerkonto dauerhaft speichern zu können. Beispiele für Personalisierungsmöglichkeiten sind die Hinterlegung eines bevorzugten Standorts bzw. einer Bibliothek (bei Verbundangeboten), die Sprachwahl, Schriftgrösse oder auch die Anzahl der Titel pro Trefferseite.

Über einen Benutzeraccount können Anwender ausserdem zusätzlich bei der Literaturrecherche unterstützt werden. Beispielsweise bietet es sich in diesem Kontext an, Anwendern die Möglichkeit zu geben Suchanfragen im System hinterlegen zu können, um diese bei Bedarf erneut auszuführen. Auch die Möglichkeit im System eigene Literaturlisten pflegen zu können ist ein hilfreiches Features. Das hinzufügen von Objekten zu solchen Merklisten sollte dabei sowohl von der Trefferliste als auch der Detailansicht möglich sein. Im Idealfall sollten die Listen darüber hinaus auch exportiert werden können. Eine weitere Hilfestellung zur Organisation entsprechender Listen ist in diesem Kontext (gerade bei umfangreicheren Listen) die Möglichkeit einer Verschlagwortung der einzelnen Objekte.

Mehrsprachigkeit

Ist die Webseite auf Mehrsprachigkeit ausgelegt, so sollte darauf geachtet werden, dass ein Wechsel der Sprache auf jeder Unterseite möglich ist. Somit haben auch Quereinsteiger, welche die Webseite über eine Suchmaschine gefunden haben, die Möglichkeit, schnell und einfach in ihre gewünschte Sprache zu wechseln. Es sollte darauf geachtet werden, dass Anwender bei einem Wechsel der Sprache auf der gerade aufgerufenen Unterseite bleiben und nicht zur Startseite weitergeleitet werden. Die Navigation für den Sprachwechsel sollte in der Regel rechts oder links oben in die Website integriert werden.

Wenn möglich sollte für alle Sprachen jeweils das komplette Informationsangebot zur Verfügung stehen, wobei auf qualitativ hochwertige Übersetzungen zu achten ist. In Fällen wo keine vollständige Übersetzung aller Seiten möglich ist, ist darauf zu achten, dass in den einzelnen Sprachversionen keine anderssprachigen oder leere Seiten angeboten werden. In diesem Fall sollte versucht werden, die Navigation entsprechend anzupassen und Seiten für die keine Übersetzungen vorliegen in den Navigationsmenüs auszublenden

Beispiel einer Sprachauswahl - www.informationskompetenz.ch

Viewer für digitalisierte Inhalte

Bei Bibliotheks-Angeboten, die auf die Bereitstellung spezifischer Inhalte wie z.B. Digitalisate alter Handschriften spezialisiert sind, sollte ein entsprechender Viewer bereitgestellt werden, der eine möglichst umfassende Nutzung der entsprechenden Ressourcen ermöglicht.

Das Tool sollte intuitiv zu bedienen sein und verschiedene Funktionen (blättern, drehen, zoomen, etc.) sowie verschiedene Ansichten unterstützen:

  • Titelansicht (auch Detailansicht des Treffers)
  • Inhaltsansicht (Inhaltsverzeichnis des Inhalts)
  • Miniaturansicht (alle einzelnen Seiten in der Miniaturansicht)
  • Seitenansicht (welche die jeweilige ausgewählte Seite aufruft und vergrössert darstellt)

Des Weiteren ist es hilfreich, direkt zu einzelnen Kapiteln bzw. Seiten springen zu können.

 Beispiel eines Viewers für digitalisierte Inhalte - www.e-rara.ch (Klick für vergrösserte Ansicht)