15.12.2017 | Druckansicht
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Eyetracking

Mit Hilfe klassischer Datenerhebungsverfahren können Benutzungsschnittstellen teilweise sehr detailliert untersucht werden. Dennoch bleiben im Rahmen solcher Evaluationen mitunter noch Fragen offen. Zum Beispiel kann mit Hilfe von Beobachtungen oder Befragungen nicht beantwortet werden, warum Benutzer in einem bestimmten Dialog verharren - wurden bestimmte Funktionen/Elemente nicht wahrgenommen oder war deren Funktion unklar? Zudem ist es mit Hilfe von klassischer Evaluationsverfahren nicht möglich, die dem Verhalten der Probanden zugrunde liegenden psychologischen Prozesse zu analysieren, da diese in der Regel unbewusst ablaufen. Daher können sie auch nicht von den Probanden selbst, bspw. im Rahmen des lauten Denkens, beschrieben werden.

Für die Beantwortung solcher Fragen sind zusätzliche Evaluationsverfahren erforderlich. Eine Möglichkeit stellt der Einsatz von Eyetracking-Systemen dar. Moderne Systeme arbeiten berührungsfrei, so dass sich die Anwender während der Untersuchung relativ frei bewegen können. Entsprechende Geräte basieren auf der Aussendung von Infrarotstrahlen, die vom Auge reflektiert werden ("Cornea-Reflex-Methode"). Durch den Abgleich der Position der Reflexionen und der Pupillen können die Blickkoordinaten berechnet werden.

Mittels Eyetracking lassen sich bspw. die folgenden Fragestellungen beantworten:

  • Wo schauen die Anwender zuerst hin?
  • Werden wichtige Bereiche eines User Interfaces schnell erkannt?
  • Welche Bereiche eines User Interface werden besonders intensiv wahrgenommen?


Die Resultate derartiger Untersuchungen können dazu genutzt werden, Benutzeroberflächen hinsichtlich ihrer Wahrnehmbarkeit zu optimieren. Auf diese Weise wird es Anwendern ermöglicht, sich innerhalb kürzester Zeit einen Überblick über die wichtigsten Informationen zu verschaffen. 




 

Empfohlene Literatur:

  • Duchovski, T. (2003). Eye Tracking Methodology – Theory and Practice. London: Springer-Verlag.
  • Nielsen, J. und Pernice, K. (2010). Eyetracking web usability. Berkeley: New Riders.
  • Rötting, M. (2001). Parametersystematik der Augen- und Blickbewegungen für arbeitswissenschaftliche Untersuchungen. Aachen: Shaker.