ISONorm 10/ 110-S

Der Fragebogen ISONorm 10/110-S ist eine Weiterentwicklung des 1993 von Jochen Prümper und Michael Anft an der FHTW Berlin entwickelten Fragebogens ISONorm 10. Beide Versionen beziehen sich auf die sieben Grundsätze der Dialoggestaltung, die in der ISO Norm 9241 Teil 10 festgelegt sind:

  • Aufgabenangemessenheit
  • Selbstbeschreibungsfähigkeit
  • Steuerbarkeit
  • Erwartungskonformität
  • Fehlertoleranz
  • Individualisierbarkeit
  • Lernförderlichkeit

Während der ISONorm 10 diese sieben Grundsätze über jeweils fünf Items operationalisiert, so dass sich insgesamt 35 Einzelfragen für den Fragebogen ergeben, beschränkt sich der Fragebogen ISONorm 110 auf 21 Fragen.

Jede der Fragen besteht aus einer positiven und negativen Aussage, die mit Hilfe einer Skala mit sieben Stufen von sehr negativ (---) über unentschieden (-/+) bis sehr positiv (+++) bewertet wird. Für den Grundsatz der Aufgabenangemessenheit wird bspw. gefragt, ob die Software die Erledigung der Arbeitsaufgaben unterstützt, ohne den Benutzer unnötig zu belasten. Für die Bewertung werden folgende Gegenpole angegeben [Schweibenz & Thissen 2003]:

  • Die Software ist kompliziert / unkompliziert zu bedienen.
  • Die Software bietet nicht alle / alle Funktionen, um die anfallenden Aufgaben effizient zu bewältigen.

 

Online

ISO-Norm 9241-110

 

 

Zeitlicher Aufwand für den Benutzungsfragebogen ISONorm 110

Beide Fragebögen können ohne vorbereitende Schulung beantwortet werden, was zu einem geringen Zeitaufwand für die Evaluation führt. Prümper (1997) beziffert den Zeitaufwand für die Durchführung der Evaluation mit dem Fragebogen ISONorm 10 auf zehn Minuten. Bräutigam vom Informationsdienst ERGO Online der Gesellschaft Arbeit und Ergonomie – online e.V. gibt den Zeitaufwand mit 20 Minuten an, was auch den Erfahrungen von Schweibenz und Thissen entspricht. Die Evaluation mittels des Fragebogens ISONorm 110 beträgt nach Angaben Prümpers lediglich 5-10 Minuten, was insbesondere den Einsatz für summative Evaluationen begünstigt.  

Für die Evaluation muss zu dieser Zeitangabe noch ein ausreichender Zeitraum für das Kennenlernen und Erproben der Software oder Website gerechnet werden [Schweibenz & Thissen 2003].

 

Der Ablauf der Befragung mit dem Benutzungsfragebogen ISONorm 10/ 110-S

Die Befragung der Benutzer mit dem Benutzungsfragebogen ISONorm 10/ 110-S kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfolgen. Besonders interessant ist eine Befragung im Rahmen der Vorbereitung des Redesigns eines Produkts. Denn die Ergebnisse der Befragung können dann direkt in das Redesign einfliessen.


Der Fragebogen ist besonders für Internet- und Intranet-Anwendungen interessant, weil er in elektronischer Form als Datei (Textdatei für MS Word) an Benutzer verschickt werden oder auch in einer Online-Version direkt im Internet oder Intranet bearbeitet werden kann. Eine Online-Version des Fragebogens ist bspw. verfügbar unter http://www.ergo-online.de/site.aspx?url=html/software/verfahren_zur_beurteilung_der/fragebogen_isonorm_online.htm.


Michael Richter (2001) hat in einer Studie zum Online-Banking die Papierversion und die Online-Version verwendet und die Ergebnisse verglichen. Er stellte fest, dass die Art der Befragung keinen Einfluss auf die Beurteilung durch die Benutzer hatte. Allerdings nahmen an der Online-Befragung mehr Personen mit grösserer Computererfahrung teil als in der Vergleichsgruppe, die mit der Papierversion arbeitete. Dies wirkte sich aber nicht auf die Beurteilung der Software aus.


Der Benutzungsfragebogen ISONorm 10/ 110-S kann im Rahmen eines beteiligungsorientierten Verfahrens mit einem Workshop mit Benutzern kombiniert werden. Der Workshop schliesst sich dabei an die Befragung von Benutzern mit dem Fragebogen an und dient der Vertiefung und Präzisierung der Ergebnisse durch Beteiligung der Befragten. Der Workshop wird von einem unabhängigen Versuchsleiter als Moderator geleitet. Seine Aufgabe ist die Erläuterung der Grundsätze der Dialoggestaltung nach ISO 9241 Teil 110 bzw. eines einzelnen Grundsatzes, wenn der Workshop für jeden Grundsatz extra durchgeführt wird. Der Moderator präsentiert die Befragungsergebnisse zu allen Grundsätzen bzw. zu dem aktuell zu besprechenden Grundsatz. Der nächste Schritt ist die Sammlung von Beispielen für die Befragungsergebnisse durch die Teilnehmer des Workshops. Die Teilnehmer geben aus ihrer Erfahrung mit dem Produkt Beispiele dafür, warum sie das Interface entsprechend bewertet haben. Diese Beispiele werden dann in Arbeitsgruppen diskutiert und Verbesserungsvorschläge erarbeitet. Dabei ist es wichtig, dass der Moderator die Diskussion strukturiert und ordnet, weil sich die sieben Gestaltungsgrundsätze teilweise überschneiden und weil die Teilnehmer normale Benutzer und keine Experten sind und deshalb Anleitung und Unterstützung bei der Auslegung der sieben Gestaltungsgrundsätze benötigen [Schweibenz & Thissen 2003].

 

Verwendete Literatur

  • Prümper, J. (1997). Der Benutzungsfragebogen Isonorm 9241 / 10: Ergebnisse zu Reliabilität und Validität. In: Liskowsky, R. (Hrsg.). Software Ergonomie ’97, Usability Engineering: Integration von Mensch-Computer-Interaktion und Software-Entwicklung, S. 253-262. Stuttgart: Teubner.
  • Richter, M. (2001). Online-Befragung als neues Instrument zur Beurteilung der Benutzerfreundlichkeit von Software. In: Reips, U.D. und Bosnjak, M. (Hrsg.). Current Internet Science. Trends, Techniques, Results. Lengerich: Pabst. Zugriff am 04.11.2008 unter http://www.michaelrichter.ch/gor_99.pdf.
  • Schweibenz, W. und Thissen, F. (2003). Qualität im Web – Benutzerfreundliche Webseiten durch Usability Evaluation. Berlin: Springer.