Pluralistic Usability Walkthrough

Ein Mangel von analytischen und expertenbasierten Evaluationsverfahren ist, dass nicht immer sicher ist, ob wirklich die Belange der Benutzer und deren Anforderungen und Verhaltensweisen beim Aufspüren von Usability-Problemen berücksichtigt werden. Da empirische Usability-Tests häufig zu zeit- und kostenintensiv sind, wurde das Verfahren des „Pluralistic Usability Walkthrough“ entwickelt.


Seine Wurzeln hat der Pluralistic Walkthrough im traditionellen Cognitive Walkthrough. Die eigentliche Besonderheit beim Pluralistic Usabiliy Walkthrough ist, dass im Team evaluiert wird und in diesem Team ein repräsentativ ausgewählter Endbenutzer dabei ist. Zusätzlich gehören zum Team ein Entwickler und ein Usability-Experte. Der Benutzer im Team hat die Aufgabe, das zu evaluierende Produkt aus seiner Perspektive zu bewerten. Die anderen Teilnehmer sind aufgefordert diese Perspektive möglichst genau zu verstehen und nachzuvollziehen. Dabei soll der Entwickler die Kommmentare und Anmerkungen aufnehmen und dann direkt in Gestaltungsoptimierungen umsetzen. Als Anwalt der Benutzer und als Moderator des Pluralistic Walkthroughs fungiert der Usability-Experte. Seine Aufgabe ist zudem auf kritische Interaktionssituationen aufmerksam zu machen und im Nachgang Gestaltungsempfehlungen abzugeben. Der Pluralistic Walkthrough erfordert eine sehr gute Moderation durch den Usability-Experten, sodass die Belange, Schwierigkeiten und Anforderungen des Benutzers ausreichend gewürdigt werden [Burmester 2003].


Im Vergleich zu anderen Walkthrough-Verfahren liefert der Pluralistic Usability Walkthrough eine Erweiterung um neue Erkenntnisse, die darauf zurückführen sind, das durch den pluralistischen Ansatz verschiedene Perspektiven berücksichtigt werden [Sarodnick & Brau 2006].

 

Verwendete Literatur

  • Sarodnick, F. und Brau, H. (2006). Methoden der Usability Evaluation: Wissenschaftliche Grundlagen und praktische Anwendung. Praxis der Arbeits und Organisationspsychologie. Bern, Hans Huber.
  • Schweibenz, W. und Thissen, F. (2003). Qualität im Web – Benutzerfreundliche Webseiten durch Usability Evaluation. Berlin: Springer.