07.09.2010 | Druckansicht
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Focus Groups

Bei Focus Group - Interviews handelt es sich um strukturierte Diskussionen zu vorgegebenen Themen bzw. Fragestellungen, die von einem geschulten Moderator geleitet werden. Ein typisches Focus Group - Interview wird in der Regel mit sechs bis zwölf Teilnehmern durchgeführt und dauert üblicherweise etwa zwei Stunden, wobei die Teilnehmer der Fokusgruppe potentielle Benutzer des zu untersuchenden Produktes sein sollten [Dumas & Redish 1999].

 

Von entscheidender Bedeutung für den Ablauf der Diskussion in einer Fokusgruppe ist, dass der thematische Schwerpunkt mit Hilfe eines Stimulus gesetzt wird. Durch diesen Stimulus sollte die Phantasie der Diskussionsteilnehmer angeregt werden. Zu diesem Zweck eignen sich z.B. einführende Texte, Bilder oder auch Videos. Die Aufgabe des Moderators ist es, den Diskussionsverlauf in der Fokusgruppe zu steuern, wobei er sich jedoch nicht am Gespräch beteiligen darf. Der gewünschte Ablauf der Diskussion wird vorab in einem Gesprächsleitfaden geplant, an dem sich der Moderator während der Diskussion orientieren kann [Schweibenz & Thissen 2003].

 

Im Rahmen von Focus Group - Sitzungen werden in der Regel zur späteren Auswertung der Fokusgruppe Video- und Audioaufzeichnungen angefertigt. Diese können auf zwei Varianten ausgewertet werden. Die präziseste ist die Anfertigung eines inhaltlichen Transkripts, welche eine Nachanalyse der angefertigten Video- oder Audioaufzeichnunge erfordert. Dabei werden die Aufzeichnungen in schriftliche Form gebracht, indem wörtliche Abschriften der gesamten Aufzeichnungen erstellt werden. Man spricht in diesem Fall von einer vollständigen Transkription.

Eine etwas effizientere, aber auch ungenauere Art des Transkripts ist die selektive Transkription. Dabei schreiben ein oder mehrere Protokollanten die Aussagen der Teilnehmer bereits während der Diskussion mit. Phasen des Interviews, die aufgrund der Dynamik der Situation nicht erfasst werden konnten, werden gekennzeichnet, und später anhand der Video- bzw. Audioaufzeichnungen ergänzt. Das Transkript enthält die Äußerungen der Teilnehmer in chronologischer Reihenfolge, ohne interpretative Anreicherungen [Burmester 2004].

 

Ein Vorteil von mündlichen Befragungen gegenüber Fragebögen ist deren Flexibilität. So kann beispielsweise eine unklar gestellte Frage vom Interviewer oder Moderator den Nutzern nochmals erläutert werden. Zudem behält der Interviewer die Kontrolle darüber, ob Fragen vollständig beantwortet werden, was bei einem Fragebogen nicht möglich ist. Jedoch ist dieses Verfahren im Vergleich zu Fragebögen mit höheren Kosten verbunden und es kann nicht garantiert werden, dass der Interviewer keinen Einfluss auf die Antworten nimmt [Hegner 2003].

 

Verwendete Literatur

  • Burmester, M. (2004). Auswertung von Focus Groups. Unveröffentlichtes Skript des Studiengangs Informationsdesign der HdM Stuttgart. Stuttgart: Hochschule der Medien.
  • Dumas, J. und Redish, J. (1999). A Practical Guide to Usability Testing. Exeter: Intellect Books.
  • Hegner, M. (2003) Methoden zur Evaluation von Software. IZ-Arbeitsbericht Nr. 29. Bonn, Informationszentrum Sozialwissenschaften. Zugriff am 04.11.2008 unter http://www.gesis.org/fileadmin/upload/forschung/publikationen/gesis_reihen/iz_arbeitsberichte/ab_29.pdf.
  • Schweibenz, W. und Thissen, F. (2003). Qualität im Web – Benutzerfreundliche Webseiten durch Usability Evaluation. Berlin: Springer.

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